Hafen 2

Hafen 2: eine Halle für Kunst und Kultur
SomSem. 2011: Diplomoberstufe / Master: Entwurf M09 12 CP

Anmerkung
1. Treffen am Donnerstag 14.04.2011, 13:00 am Fachgebiet

Thema
Wissen und Kreativität sind zentrale Produktivkräfte, ihre Ansiedlung ist in den vergangenen Jahren zum Ziel zahlreicher Stadtentwicklungen geworden: die „kreative Stadt“. Jede große Stadt in Deutschland bemüht sich qualifizierte, kreative und innovative Unternehmen und Selbstständige anzulocken. Von dem Merkmal „kreativ“ versprechen sich viele Städte in der globalen Konkurrenz Wettbewerbsvorteile. Das betrifft vor allem auch die weichen Standortfaktoren: Bildungs- und Freizeitangebote, Standortprestige – hier sind Kultur und Kreativität zentral. „Kultur wird damit in einer ganz anderen Dimension als bisher vermutet als ‚weicher Standortfaktor‘ gerechtfertigt, Kulturpolitik in entsprechender Weise als potenzielle Steuerungspolitik der Stadtentwicklung erkennbar. Um kreative Potenziale in technischen und ökonomischen Wirtschaftsbereichen anzulocken oder in einer Stadt zu halten, muss man demnach nicht erst deren Arbeitsplätze schaffen, also Wirtschaftsförderung betreiben. Die Entwicklung einer bestimmten kulturellen Atmosphäre scheint eher wirkungsvoll zu sein“ (Göschel 2007). Viele Städte haben daher den Zusammenhang von kreativem Milieu und seinem Potenzial bei der Entwicklung vernachlässigter, problematischer Orte in der Stadt oder auch bei der Neuentwicklung ehemals industriell genutzter Flächen als „Standortfaktor“ erkannt. Häufig haben Kreative diese einstmals peripheren Orte mit ihren Aktivitäten besetzt und tragen zu einer Aufwertung des Ortes bei. Nicht selten kommt es im Zuge dieser Aufwertungen und den damit verbundenen Mietpreissteigerungen zu Interssenskonflikten zwischen den Ansässigen und Zuziehenden, bis hin zur Verdrängung der Menschen, die den Ort einst entdeckt haben. Es kommt zur Gentrifizierung. In diesem Spannungsfeld zwischen „Kreativität als Standortfaktor“ und teilweise gegenläufiger stadtplanerischer Interessen bzw. finanzieller Möglichkeiten der Städte, werden zunehmend temporäre Orte der Kultur geschaffen. Zudem hat man den Reiz des Temporären, des nicht Etablierten vor allem in der jungen Kreativszene entdeckt. Städte wie Wien, London und vor allem Berlin haben in den letzten Jahren mit ihren temporären Kunsthallen für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Vor kurzem wurde die zwischen 2008 und 2010 geöffnete Kunsthalle am Schlossplatz in Berlin geschlossen. Bergische Universität Wuppertal Diese Kunsthalle verstand sich nach dem Abriss des Palast der Republik als Ort des Dialoges, als Schaufenster und Produktionsort der bedeutenden jungen Kreativszene Berlins. Durch den Erfolg dieser Halle wurde die Notwendigkeit eines Ausstellungsorts, gerade für die nicht etablierten Kulturschaffenden deutlich. Aus diesem Grunde sucht man nun in Zusammenarbeit mit dem Senat nach einem Nachfolgemodell am Humboldthafen. Auch hier, im bislang wenig entwickelten Gebiet rund um den Hauptbahnhof offenbart sich das bereits erwähnte Spannungsfeld: Kunst und Kultur als Katalysator für eine zukünftige Entwicklung einerseits, beschränkte finanzielle Mittel für einen permanenten Ausstellungsort der örtlichen jungen Kunstszene andererseits und die Notwendigkeit einer Stadt, Kultur als wichtigen Faktor für seine wirtschaftliche Attraktivität zu präsentieren.

Ausgangssituation
Offenbach befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des »Global Player« Frankfurt am Main (10 Min. S-Bahnfahrt zum Zentrum Frankfurts und 20 Min. zum internationalen Flughafen). Das erhöht seine Attraktivität als Standort für Dienstleistungsunternehmen innerhalb der Metropolregion Rhein/Main. Zugleich ist es eine Stadt im Umbruch – die ehemalige Arbeiter- und Industriestadt ist geprägt von großmaßstäblichen Geschosswohnungsbau und Infrastrukturen, die infolge einer massiven Ansiedlungspolitik der 70er Jahre in den Stadtkörper implantiert worden sind. Mit dem Niedergang der Lederindustrie geriet die Stadt in den 80er Jahren in die Krise. Entsprechend hat Offenbach ein Negativimage innerhalb der Region, das in Widerspruch zu seinen Potenzialen steht. Die Stadt Offenbach hat bereits 2007 mit einem Kreativwirtschaftsbericht (Universität Trier) zur Akzeptanz und Legitimation der Kultur- und Kreativwirtschaft beigetragen. Ausgehend von dieser kulturgeographischen Untersuchung ist festzustellen, dass es in Offenbach große kreative Potenziale gibt, die bisher kaum in die Entwicklung der Stadt integriert worden sind. Einzelne Kultur- und Kreativorte sind sogar international bekannt (Robert Johnson) oder haben eine überregionale Bedeutung (Hafen 2, Heyne-Fabrik). Andere dagegen sind nahezu unsichtbar. Eine besondere Rolle spielt die Hochschule für Gestaltung, als herausragender Ort der Ausbildung in Kunst, Design und Medien. Mit dem städtischen Entwicklungsprojekt im ehemaligen Hafengelände und der geplanten Umsiedlung der HfG in einen Neubau verspricht sich die Stadt einen positiven Effekt auf die Ansiedlung Kreativer und einen Imagegewinn. Daneben soll laut Bebauungsplan der bekannte Funktionsmix aus Arbeiten (Dienstleistung), Wohnen, Freizeit etc, in das Projekt am Hafen integriert werden. Ein Problem jedoch ist das mangelnde Verständnis der Verantwortlichen für die Bedürfnisse und Wertvorstellungen der Kreativszene. So soll die Umsetzung der Planung für das Hafengebiet mit dem Abriss des Kulturzentrums „Hafen 2“ im Frühjahr 2012 beginnen – eines nicht nur wichtigen räumlichen „Ankers“ in der Entwicklung des Gebiets, sondern zentraler Ort für die Kreativen in Offenbach und der Region. Daher ist am westlichen Ende des Gebietes die Errichtung einer temporären Kunsthalle angedacht, um den Betreibern von Hafen 2, den notwendigen Freiraum für die Fortsetzung ihrer Aktivitäten zu ermöglichen. Diese Halle verfolgt darüber hinaus das Ziel, einen positiven Effekt auf die Entwicklung des Areals auszuüben und das kreative Milieu langfristig an den Ort und die Stadt Offenbach zu binden. Hierzu stehen jedoch nur beschränkte finanzielle Mittel seitens der Stadt zu Verfügung.

Aufgabe
Auf dem Areal Nordring 129, im Gebiet des Hafens von Offenbach soll eine temporäre Kunst- und Kulturhalle entwickelt werden.

In der Recherchephase wird die Situation gemeinsam mit den anderen Arbeitsgruppen, in einem 3-tägigen Workshop vor Ort analysiert und mit den Betreibern von „Hafen 2“ ein Raumprogramm entwickelt. Hierbei ist auf die besondere städtische Lage, die angestrebte Nutzung des temporären Baus in Zusammenhang mit einem geplanten Abriss des bereits erwähnten Kulturzentrums „Hafen 2“, die vorhandenen Akteure vor Ort, vorhandene und geplante Nutzungen des Areals sowie mögliche Raumpotenziale etc. zu achten. Aus der gegebenen Planungssituation vor Ort, muss die Halle darüber hinaus in einem sukzessiven Prozess errichtet und erweitert werden können. Dazu stehen nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung.

Hierbei werden Fragestellungen aufgeworfen wie z.B. wie sollte eine solche Halle inhaltlich und konstruktiv beschaffen sein, wie gliedert sie sich in das städtische und soziokulturelle Gesamtgefüge ein, welche Nutzungen sind zu erwarten, welches Potenzial für die Nutzer muss sie entwickeln können, welche räumlichen Anforderungen muss eine solche Halle erfüllen, welche Katalysatorenwirkung kann sie auf die Entwicklung eines solchen Areals haben usw.?

Ausgehend von diesen Erwägungen, soll in der Konzeptfindung besonderes Augenmerk auf die Dimension des Temporären und der damit verbundenen Erfordernisse an den Bau gelegt werden. Wichtige Schlagworte sind in diesem Zusammenhang: Bauzeit, Modularität, Erweiterbarkeit, der Prozess des Auf- und Abbaus, Budget, Material, Konstruktionsweise, Gebäudetechnologie, Möglichkeit des Recyclings der Materialien. Darüber hinaus spielen Faktoren wie die Flexibilität in der Nutzung, die Möglichkeit der Aneignung des Ortes durch die Akteure und deren Partizipation im Planungsprozess, deren Organisationsform sowie gegebenenfalls spezifische kuratorische Erfordernisse und der architektonische Ausdruck des Baus eine herausragende Rolle.

Ausgehend von der Analyse dieser Aspekte soll ein bedarfsgerechtes Raumprogramm entwickelt werden sowie der Entwurf, einer der Situation adäquaten temporären Kunst- und Kulturhalle erarbeitet werden. Jeder Studierende bearbeitet ein eigenes Projekt.

Lehrziel
Lösung einer komplexen, für die Architektur elementaren Aufgabenstellung – dem Bauen unter Einschluss von städtebaulichen, soziologischen, funktionalen, konstruktiven, ökonomischen und gestalterischen Aspekten sowie Gesichtspunkten der Flexibilität
Entwickeln einer architektonisch hochwertigen Lösung für ein zeitgemäßes, temporäres Ausstellungs- und Veranstaltungskonzept
Enwerfen eines reversiblen Gebäudes mit seinen spezifischen Gesetzmäßigkeiten
Erkennen eines methodisch strukturierten Entwurfsprozesses
Entwickeln einer eigenständigen architektonischen Position und Argumentation
Fähigkeiten für eine kompetente graphische und modelltechnische Präsentation

TERMINE
Do.: 05.05.11, TUD
kurze Präsentation (Analog) der auf dem Workshop erarbeiteten Ergebnisse zum Ort und dem erforderlichen Raumprogramm mit Schlussfolgerung und erster konzeptioneller Idee für die weitere Bearbeitung. Jeder Student bearbeitet die Aufgabe seit dem Workshop für sich.

Do.: 12.05.11, TUD Korrektur 1
Do.: 19.05.11, TUD Korrektur 2
Do.: 26.05.11, TUD Korrektur 3

Mi.: 01.06.11, TUD Testat

Do.: 09.06.11, TUD Korrektur 4
Do.: 16.06.11, TUD Korrektur 5
Mi.: 29.06.11, HfG Offenbach Aufbau der Ausstellung an der HfG Offenbach für den 'Rundgang'

Do.: 30.06.11, HfG Offenbach Pressekonferenz und Präsentation der Arbeiten, HfG

01.- 03.07.11, Rundgang und Symposium an der HfG Offenbach (Ort: Hafen-2)

Leistungen
Zwischenpräsentation:
-Darstellung der Eingliederung des Projektes in das Areal, unter den entwurfsrelevanten Faktoren des Ortes städtebaulicher Art, der Akteure, Organisationsform etc., in Grafik und „analytischem Modell“
-Konzeption temporäre Kunsthalle unter den Aspekten Material, Bauweise, Auf-und Abbau, Budget, Technik etc. sowie Nutzungsform, Flexibilität, architektonischer Ausdruck, Aneignung, in Grafik und Bild

Endpräsentation:
-Definition der entwurfsbestimmenden Faktoren und Darstellung in Grafik, Text und Bild, Darstellung der Konzeption (Referenzbilder, Schemata)
-analytisches Einsatzmodell, Maßstab nach Absprache
-Übersichtsplan, Maßstab nach Absprache
-Lageplan M1/500 mit Integration der Umgebung
-Alle zum Verständnis notwendigen Grundrisse,Schnitte, Ansichten M 1/100
-Detailschnitt/ansicht M 1/50 zur Darstellung der Materialität, konstruktiven Fügung, etc.
-Modell 1/100 oder 1/50 nach Absprache
-Darstellung der Flexibilität in der Nutzung
-Gegebenenfalls Darstellung der Recyclingfähigkeit, Budgetierung, Lichtkonzept etc.
-CD mit sämtlichen Planunterlagen, Modellfotos auf schwarzem Grund

Anmerkung
1. Treffen am Donnerstag 14.04.2011, 13:00 am Fachgebiet

Downloads
Entwurfsvorstellung_Offenbach
Plandaten
Raumprogramm_Hafen_2
Hafen2_Verlegung
Semesterentwurf_SomS._Leistungsumfang

Planlayout_Hafen_2_gross
Planlayout_Hafen_2_gross
InfoHafen_2
tud_logos

Organisation

Sascha Luippold